Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordert strengere
Mediengesetze, die Säuglinge vor TV-Experimenten schützen.
Anlass für diese Forderung ist eine neue RTL-Serie ab Juni, in
denen Teenager ihre elterlichen Fähigkeiten an fremden
Säuglingen testen. Der Kölner TV-Sender erweckt dabei den
Eindruck, als könne man ein sieben Monate altes Baby einige Tage
von seinen Eltern trennen, ohne dessen Gesundheit zu gefährden.
Quelle: Bundespsychotherapeutenkammer – RTL: Show-Experimente mit Babys



Mai 28th, 2009 on 23:54
Zum Thema ” Show Elemente mit Babys bei RTL” :
Es wird hoffentlich nicht nur mir aufgefallen sein, daß RTL schon seit längerem sich mit Sendungen hervortut, die mit Experimenten mit Menschen arbeiten und die Quote und den eigenen Profit sichtbar über die Achtung der Würde des einzelnen Menschen stellt. Dies war schon bei der Sendung “Big Brother” Thema, ist n. m. A. bei “DSDS” laufend Thema, und gilt auch für “Topmodell”, und jetzt zuletzt für die geplante Sendung “Erwachsen auf Probe”. Es ist zwar richtig und wichtig, daß die allgemeine Öffentlichkeit speziell bei dem Thema ” Säuglinge als Versuchsobjekte” deutlich reagiert.
Ähnlich klare Reaktionen hätte ich schon lange bei den Mobbing- ähnlichen Auswahlverfahren wie bei DSDS erwartet; ganz abgesehen von n.m. A. notwendigen Altersbegrenzungen für DSDS und Topmodell. Neben der meineserachtens entwürdigenden Zurschaustellung der zu erwartenden Überforderung und des individuellen Scheiterns der teilnehmenden Personen fällt vor allem die völlige Mißachtung entwick-lungspsychologischer Erkenntnisse und Fakten ins Auge. Man könnte unterstellen, daß mit einer möglichen Traumatisierung durch Überforderung und Scheitern von den am “Experiment” Teilnehmenden kokettiert wird ( um z. B. Quote zu erreichen). Was bei “Erwachsen auf Probe” in 3 facher Weise riskiert wird: Risiko für die Säuglinge, für die Jugendlichen und für die realen Eltern.
Man muß sich fragen, -was für Menschen das sind, die solche Sendungen erfinden und planen; – was für untaugliche “Selbstkontroll- Einrichtungen” innerhalb der Medienwelt existieren; – wie weit und wie lange sich die politisch Verantwortlichen hier aus der Verantwortung stehlen können; und nicht zuletzt – was wir als Fachleute dazu tun können, daß sich die Kluft zwischen dem fachlichen Wissen einerseits und der Umsetzung und Berücksichtigung im Alltag zum Wohle und Schutze ganz besonders von (Klein-) Kindern und Jugendlichen in allen Bereichen unserer Gesellschaft mehr schließt.
Dies betrifft nicht gering auch die Frage nach Prophylaxe – sicher auch für das Gebiet der Rehabilitation.
W. Kohler; Fachgruppe Psychologen in der Kinder- und Jugendhilfe im BDP