Benjamin Gierk, Inka Wahl
Depressionsfragebögen erfassen mithilfe einer standardisierten Selbstauskunft das Vorliegen depressiver Symptome. Sie können BehandlerInnen wichtige Informationen für die Diagnostik und Therapie bereitstellen. Dazu müssen sie bestimmten psychometrischen Anforderungen entsprechen und sachgerecht interpretiert werden. Dieser Beitrag stellt die verschiedenen Anwendungsgebiete von Depressionsfragebögen in der klinischen Praxis vor und präsentiert exemplarisch drei häufig eingesetzte Instrumente (PHQ-9, BDI-II, HADS). Dabei erläutert er ihren Aufbau und erklärt die Auswertung und Interpretation. Die Gefahren eines deterministischen Umgangs mit den Fragebogenergebnissen werden diskutiert und Empfehlungen für den praktischen Einsatz gegeben. Abschließend werden neue psychometrische Entwicklungen vorgestellt.
Abstracts aus Zeitschriftenartikeln
Depressionsfragebögen für den alltäglichen klinischen Einsatz
Klinische Ressourcendiagnostik
Bodo Klemenz
Im diagnostisch-therapeutischen Prozess wird neben der Störungsdiagnostik zur vollständigeren Erfassung der Patientenpersönlichkeit eine Ressourcendiagnostik als erforderlich angesehen. Dazu werden im Text Vorgehensweisen und Verfahren aufgeführt, die sich zum Ressourcenassessment bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bewährt haben. Es wird insbesondere auf solche Gesprächstechniken und Instrumente verwiesen, die sich zur Erhebung der Grundbedürfnisbefriedigungsressourcen von Patienten eignen. Diese Ressourcen dienen als Mittel zur Befriedigung der angeborenen psychischen Grundbedürfnisse des Menschen. Ihre Verfügbarkeit und Nutzung trägt wesentlich zur Erhaltung und Förderung der biopsychosozialen Gesundheit des Patienten bei, während ihr Fehlen den Aufbau und die Verfestigung behandlungsbedürftiger Störungen mitverursacht.
Diagnostik bei somatoformen Störungen und chronischem Schmerz
Claas Lahmann, Andreas Dinkel
Somatoforme Beschwerden zeichnen sich durch anhaltende Körperbeschwerden aus, für die auch nach angemessener somatischer Diagnostik keine ausreichende organmedizinische Erklärung gefunden werden kann. Auch chronifizierte Schmerzzustände sind fast regelhaft durch eine Diskrepanz zwischen subjektivem Schmerzerleben und objektiven Befunden gekennzeichnet; steht diese Diskrepanz im Vordergrund, wird eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Die Diagnostik ist sowohl für den Somatiker als auch den Psychosomatiker bzw. Psychotherapeuten herausfordernd; (continue reading…)
Risiken und Nebenwirkungen strukturierter Diagnostik Oder: Wie viel strukturierte Diagnostik braucht Psychotherapie?
Eva Maria Meiser-Storck
Der Einsatz strukturierter Diagnostik im wissenschaftlichen Kontext steht derzeit außer Frage. Allerdings nimmt der Einsatz strukturierter Diagnoseverfahren auch in der klinischen Praxis z. B. zur Therapieevaluation immer mehr zu. Der Artikel befasst sich mit Risiken und Nebenwirkungen strukturierter Testdiagnostik im klinischen Alltag, welche z. B. durch die Störanfälligkeit der Selbstbeurteilungsbögen, mangelnde Überlegungen zu Ökonomie, Zumutbarkeit und Nützlichkeit oder auch durch die Vernachlässigung der therapeutischen Beziehungsgestaltung bzw. Beeinflussung des therapeutischen Prozesses aufgrund intensiver Therapieevaluation provoziert werden können. Durch eine pointierte Darstellung dieser Kritikpunkte soll der Dialog zwischen Testbefürwortern und Testkritikern angeregt werden, um einen sinnvollen Einsatz strukturierter Diagnostik für den klinischen Alltag zu finden.
Therapieevaluation in der stationären Psychotherapie mit Web-AKQUASI
Benjamin Zimmer, Markus Moessner
Therapiebegleitende Rückmeldungen über den Gesundheitszustand bieten die Möglichkeit Kommunikations- und Lernstrukturen in der psychotherapeutischen Versorgungslandschaft zu etablieren. Ergebnismonitoring und Feedbacksysteme unterscheiden sich in der Auswahl der zugrunde liegenden Informationen, der Erhebungsabläufe, der Art der Rückmeldungen und der empfohlenen Konsequenzen bei bestimmten Verläufen. Als Beispiel einer aktiven Qualitätssicherung (QS) wird das Stuttgart-Heidelberger-Modell mit der Software Web-AKQUASI vorgestellt.
Allgemeine Psychoedukation in der Akutpsychosomatik am Beispiel einer Tagesklinik
Andreas A. B. Joos, Brigitte Kemter, Angelika Schmidt, Kristina Flößer, Thomas Unterbrink, Michael Wirsching, Armin Hartmann, Almut Zeeck
Eine allgemeine nicht störungsspezifische Psychoedukation wurde im Bereich der akuten teil- und vollstationären psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlung bisher nicht systematisch konzeptualisiert und beschrieben. Es wird die Implementierung einer halbstrukturierten allgemeinen Psychoedukationsgruppe in einer psychosomatischen psychodynamisch orientierten Tagesklinik beschrieben. (continue reading…)
Diagnostik in der psychosomatischen Rehabilitation
Markus Bassler, Birgit Watzke, Volker Köllner Die psychosomatische Rehabilitation unterscheidet sich von der Krankenhausbehandlung durch ihre finale Ausrichtung auf die Wiederherstellung von Aktivität und Teilhabe bei chronischen psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Bezugssystem ist daher nicht nur die ICD-10, sondern auch die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF). Diagnostik in der Rehabilitation zeichnet sich daher durch die Erfassung von Beeinträchtigungen und Ressourcen in Bezug auf die Teilhabe an der Gesellschaft und der Arbeitswelt aus. (continue reading…)
Dokumentation komorbider psychischer Störungen in der medizinischen Rehabilitation: Eine Analyse ärztlicher Entlassungsberichte
J. Jahed, I. Bitz, J. Bengel, H. Baumeister
Chronisch körperlich erkrankte Patienten leiden häufig unter psychischen Belastungen und Störungen, die in der somatischen Rehabilitation unerkannt bleiben. Die vorliegende Studie untersucht, ob die Implementierung eines psychodiagnostischen Stufenplans in die Klinikroutine die Dokumentationshäufigkeit komorbider psychischer Belastungen und Störungen sowie darauf bezogene Behandlungsmaßnahmen und Nachsorgeempfehlungen verbessert.
Die Abgrenzung von Freiberuflichkeit und Anstellung im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Psychotherapeuten
Christian HessFür immer mehr niedergelassene Psychotherapeuten stellt sich aus den verschiedensten Beweggründen die Frage, ob man einen Kollegen “mit ins Boot holen” sollte. So kann hierdurch z. B. die spätere Übernahme der Praxis vorbereitet, eine Verringerung oder andere Ausrichtung der eigenen Tätigkeit kompensiert oder aber auf eigene Überlastung oder Krankheit reagiert werden. (continue reading…)
Diagnostik in der Traumatherapie
Laura Pielmaier, Andreas Maercker
Dieser State-of-the-Art-Überblick fasst die Kenntnisse im Bereich Traumadefinition, Traumaarten, pathologische Traumafolgen, inoffizielle Diagnosen (z. B. Komplexe PTBS, Entwicklungstraumastörung), multimodale und Differenzialdiagnostik zusammen. Es wird ein Überblick über verfügbare diagnostische Erfassungsinstrumente gegeben (Klinische Interviews, Selbstbeurteilungsfragebogen, Screenings), wobei die bewährtesten dieser Instrumente genauer vorgestellt werden. Abschließend wird die Gestaltung der Untersuchungssituation durch den achtsamen Umgang mit Traumapatienten beschrieben.


