{"id":10966,"date":"2016-07-10T05:43:38","date_gmt":"2016-07-10T03:43:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychologie-aktuell.info\/reha\/?p=10966"},"modified":"2016-07-03T11:47:43","modified_gmt":"2016-07-03T09:47:43","slug":"organisierte-suizidbeihilfe-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychologie-aktuell.info\/reha\/2016\/07\/organisierte-suizidbeihilfe-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Organisierte Suizidbeihilfe in Deutschland"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span class=\"b\">Hintergrund und Fragestellung |<\/span> In der Debatte um den \u00e4rztlich assistierten Suizid spielen \u00c4ngste vor unertr\u00e4glichen Leidenssituationen am Lebensende eine gro\u00dfe Rolle. Bef\u00fcrworter einer Liberalisierung der \u00e4rztlichen Suizidbeihilfe verweisen regelm\u00e4\u00dfig auf Situationen, in denen Leiden auch mithilfe der Palliativmedizin nicht zu lindern sei und daher nur die Beihilfe zum Suizid einen Ausweg biete. Dabei stellt sich die Frage, ob die Fokussierung auf finale Krankheitszust\u00e4nde und nicht therapierbare Symptome die Realit\u00e4t richtig widerspiegelt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span class=\"b\">Methodik |<\/span> Wir analysierten retrospektiv Diagnosen und Motive der Menschen, die sich in Deutschland zwischen 2010 bis 2013 mit Unterst\u00fctzung des Vereins \u201eSterbehilfe Deutschland\u201d (StHD) das Leben genommen haben. Daf\u00fcr werteten wir 118 von StHD publizierte Fallbeschreibungen aus, in denen die Suizidbegleitung sterbewilliger Vereinsmitglieder dokumentiert wird.<\/p>\n<p><span class=\"b\">Ergebnisse |<\/span> 67 % der Suizidenten waren \u00fcber 70 Jahre alt, Frauen waren mit 71 % \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Es waren folgende Diagnosen vertreten:<\/p>\n<ul>\n<li>25,6 %: metastasierte Krebserkrankung<\/li>\n<li>20,5 %: schwere neurologische Erkrankung<\/li>\n<li>23 %: altersassoziierte Erkrankungen oder Behinderungen<\/li>\n<li>14,5 %: psychische Erkrankung<\/li>\n<\/ul>\n<p>7,7 % der Suizidenten waren k\u00f6rperlich und seelisch gesund.<\/p>\n<p>12,8 % gaben als Hauptmotiv f\u00fcr ihren Suizid nicht behandelbare k\u00f6rperliche Symptome im Rahmen einer schweren Erkrankung an. F\u00fcr 29 % war das Fehlen einer Lebensperspektive angesichts schwerer Erkrankung ausschlaggebend f\u00fcr die Selbstt\u00f6tung. Lebensm\u00fcdigkeit ohne Vorliegen einer schweren Erkrankung gaben 20,5 % als Hauptmotiv f\u00fcr ihren Suizid an. Angst vor Pflegebed\u00fcrftigkeit war f\u00fcr knapp 24 % das Hauptmotiv f\u00fcr die Selbstt\u00f6tung.<\/p>\n<p><span class=\"b\">Folgerung |<\/span> Unsere Untersuchung zeigt, dass sowohl die Diagnosen als auch die Beweggr\u00fcnde von Menschen, die organisierte Suizidbeihilfe in Anspruch genommen haben, heterogener und weniger eindeutig sind, als mitunter suggeriert wird. Unertr\u00e4gliches k\u00f6rperliches Leiden im Endstadium einer Erkrankung spielt in diesem Zusammenhang zwar eine Rolle, andere Beweggr\u00fcnde \u00fcberwiegen jedoch. Diese Befunde sollten bei der Debatte \u00fcber die Liberalisierung der Suizidbeihilfe ber\u00fccksichtigt werden.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.thieme-connect.de\/DOI\/DOI?10.1055\/s-0041-111182\">Thieme E-Journals &#8211; DMW &#8211; Deutsche Medizinische Wochenschrift \/ Abstract<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hintergrund und Fragestellung | In der Debatte um den \u00e4rztlich assistierten Suizid spielen \u00c4ngste vor unertr\u00e4glichen Leidenssituationen am Lebensende eine gro\u00dfe Rolle. 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