{"id":1132,"date":"2010-03-10T07:45:10","date_gmt":"2010-03-10T06:45:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.reha-psychologie.net\/reha\/?p=1132"},"modified":"2010-03-09T00:20:50","modified_gmt":"2010-03-08T23:20:50","slug":"grubeln-und-sich-sorgen-neuere-forschungsergebnisse-und-psychotherapieansatze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychologie-aktuell.info\/reha\/2010\/03\/grubeln-und-sich-sorgen-neuere-forschungsergebnisse-und-psychotherapieansatze\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcbeln und sich Sorgen: Neuere Forschungsergebnisse und Psychotherapieans\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b>Kernaussagen<\/b><\/p>\n<ol>\n<li>   Auch gesunde Personen gr\u00fcbeln und machen sich Sorgen; sie k\u00f6nnen diese wiederkehrenden Gedanken jedoch wieder ohne anhaltende, tief greifende Stimmungseinbu\u00dfen beenden. Bei Depression und Generalisierter Angstst\u00f6rung tritt h\u00e4ufig lang anhaltendes Gedankenkreisen, Gr\u00fcbeln und sich Sorgen auf, das sich verheerend auf Stimmung und Konzentration auswirkt und verhindert, dass die einfachsten Aufgaben in Angriff genommen werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>      In mehreren gro\u00dfen, gut kontrollierten L\u00e4ngsschnittstudien wurde gefunden, dass depressives Gr\u00fcbeln einen Pr\u00e4diktor f\u00fcr eine depressive Episode darstellt. Aus diesem Grund ist es unerl\u00e4sslich, z. B. im Rahmen von Anpassungsst\u00f6rungen oder anderen psychiatrischen St\u00f6rungen darauf zu achten, in welchem Umfang der Patient gr\u00fcbelt, welche positiven Erwartungen er dem Gr\u00fcbeln zuschreibt und welche Copingstrategien er anwendet. In der psychotherapeutischen Behandlung kann depressives Gr\u00fcbeln den Behandlungserfolg deutlich schm\u00e4lern und verz\u00f6gern, nicht zuletzt deshalb gilt es, bereits zu Beginn der Psychotherapie auf die Ver\u00e4nderung von Gr\u00fcbelgedanken hinzuwirken. Auch bei gebesserten Patientinnen und Patienten sollte im Verlauf auf &#8222;riskantes&#8220; oder heimliches Gr\u00fcbeln geachtet werden.<!--more--><\/li>\n<li>      Sorgengedanken treten ebenfalls im Alltag auf, sie stellen aber in ihrer exzessiven Auspr\u00e4gung auch das Hauptkriterium bei der h\u00e4ufig \u00fcbersehenen Generalisierten Angstst\u00f6rung (GAS) dar. Diese Patientengruppe klagt eher \u00fcber st\u00e4ndige Anspannung, Nervosit\u00e4t und Schlafst\u00f6rungen als \u00fcber die Sorgen, wobei sich die Beschwerden auch unter Medikation meist nicht dauerhaft bessern. Sorgen haben die Funktion, ein noch nicht eingetretenes Problem im Vorfeld l\u00f6sen zu helfen. Diese Funktion erf\u00fcllen sie bei GAS-Patienten jedoch nicht: Die erwarteten Schwierigkeiten treffen nicht ein und der gedankliche Probleml\u00f6seprozess kommt nicht zu einem Ende, vielmehr entstehen Katastrophenszenarien, die so \u00e4ngstigend sind, dass sie wiederum nicht zu Ende gedacht werden. Die Patienten springen regelrecht von Sorge zu Sorge, und gewinnen den Eindruck, dass eine gro\u00dfe Anzahl von Problemen gel\u00f6st werden m\u00fcsste. Wachsende Hilflosigkeit und chronischer Stress sind die Folge. Damit wird die Entwicklung einer sp\u00e4teren depressiven Episode beg\u00fcnstigt.<\/li>\n<li>      Die Sorgen der Angstpatienten lassen sich vom depressiven Gr\u00fcbeln teilweise abgrenzen. Bei depressiven Patienten hingegen verschwimmt die (bei Gesunden noch intakte) Grenze zwischen gr\u00fcbel- und sorgenspezifischen Emotionen, Bewertungen und Copingstrategien.<\/li>\n<li>      Die Vermeidung unangenehmer Gef\u00fchlszust\u00e4nde scheint sowohl bei Rumination als auch bei Worry eine entscheidende aufrechterhaltende Rolle zu spielen: So k\u00f6nnen intensiver Zorn, Angst, &#8222;echte&#8220; Traurigkeit erfolgreich vermieden werden, was Rumination und Worry negativ verst\u00e4rkt. Au\u00dferdem m\u00fcssen durch diese wiederkehrenden negativen Gedanken die pers\u00f6nlichen negativen Grundannahmen \u00fcber sich und die Umwelt nicht infrage gestellt werden; damit ist es auch nicht n\u00f6tig, eine anstrengende \u00c4nderung der Situation (mit der Gefahr des Scheiterns) anzugehen. Dies stellt ebenfalls aufrechterhaltende Verst\u00e4rkungsbedingungen dar. Dar\u00fcber hinaus haben Personen mit exzessiven Sorgen im Rahmen einer Generalisierten Angstst\u00f6rung auch positive Erwartungen, z. B. &#8222;Wenn ich mir Sorgen mache, kann ich vielen Gefahren vorbeugen oder zuk\u00fcnftige schlimme Ereignisse besser bew\u00e4ltigen.&#8220;<\/li>\n<li>      Die meisten neueren Therapieans\u00e4tze versuchen deshalb, sowohl die Funktionalit\u00e4t der wiederkehrenden negativen Gedanken mit dem Patienten zu \u00fcberpr\u00fcfen als auch in einer wiederholten Exposition die Annahmen \u00fcber die Gef\u00e4hrlichkeit und Unkontrollierbarkeit zu korrigieren und die emotionale Vermeidung durch bildhafte, realistische Imagination gezielt zu durchbrechen.<\/li>\n<li>      Sowohl bei Worry als auch bei Rumination kommt es also darauf an, eine bislang vermiedene emotionale Erfahrung statt der meist gedanklich verbal und automatisiert eingesetzten Gedankenketten zu machen.<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.thieme-connect.com\/DOI\/DOI10.1055\/s-0029-1220384\">Thieme eJournals &#8211; Abstract<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kernaussagen Auch gesunde Personen gr\u00fcbeln und machen sich Sorgen; sie k\u00f6nnen diese wiederkehrenden Gedanken jedoch wieder ohne anhaltende, tief greifende Stimmungseinbu\u00dfen beenden. 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