{"id":2787,"date":"2010-12-21T14:41:10","date_gmt":"2010-12-21T13:41:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychologie-aktuell.info\/reha\/?p=2787"},"modified":"2010-12-18T15:51:54","modified_gmt":"2010-12-18T14:51:54","slug":"patient-arzt-interaktion-in-der-rehabilitation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychologie-aktuell.info\/reha\/2010\/12\/patient-arzt-interaktion-in-der-rehabilitation\/","title":{"rendered":"Patient-Arzt-Interaktion in der Rehabilitation"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>S. Dibbelt, M. Schaidhammer, C. Fleischer, B. Greitemann<\/p>\n<p><strong>Gibt es einen Zusammenhang zwischen wahrgenommener Interaktionsqualit\u00e4t und langfristigen Behandlungsergebnissen?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Reihe von Studien legt nahe, dass die Qualit\u00e4t der Interaktion zwischen Behandler und Patient entscheidend f\u00fcr gute medizinische Praxis ist und dass sie einen erheblichen Einfluss auf die Behandlungsergebnisse hat. Die Rolle und Bedeutung der Arzt-Patienten-Interaktion in der Rehabilitation ist dagegen weniger gut untersucht. Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die wahrgenommene Qualit\u00e4t der Arzt-Patienten-Interaktion in der station\u00e4ren somatischen Rehabilitation aus Arzt- und Patientensicht mit einem Fragebogen zu erfassen und die Hypothese zu \u00fcberpr\u00fcfen, dass es eine positive Beziehung <!--more-->zwischen der (von Patienten wahrgenommenen) Interaktionsqualit\u00e4t in den Arzt-Patienten-Kontakten und langfristigen Behandlungsergebnissen gibt.<\/p>\n<p>Mit Bezug auf den Ansatz von Bensing (1990) definierten wir \u201eQualit\u00e4t der Interaktion\u201d hinsichtlich dreier Dimensionen des \u00e4rztlichen Interaktionsverhaltens: 1. affektives Verhalten, d. h. die Realisierung von Empathie, Wertsch\u00e4tzung und Koh\u00e4renz; 2. instrumentelles Verhalten: das Geben und Einholen von Informationen, die Strukturierung des Gespr\u00e4chs, sodass der Patient Gelegenheit hat, alle wichtigen Themen anzusprechen, sowie Lob und Ermutigung gesundheitsf\u00f6rdernder Ans\u00e4tze und Ma\u00dfnahmen; 3. Interventionen zur (aktiven) Beteiligung des Patienten am Behandlungsprozess und an wichtigen Entscheidungen. Anhand dieser 3 Dimensionen wurden 2 parallele Versionen eines Fragebogens f\u00fcr \u00c4rzte und Patienten zur Bewertung der gemeinsamen Gespr\u00e4che entwickelt. 7 Rehabilitationskliniken im norddeutschen Raum nahmen an der Studie teil. 61 \u00c4rzte und ihre insgesamt 470 Patienten bewerteten die gemeinsamen Gespr\u00e4che bei Aufnahme, Entlassung und mindestens einer Visite. Die Patienten bewerteten au\u00dferdem ihren Gesundheitsstatus bei Aufnahme, Entlassung sowie 6 Monate nach Entlassung mit dem Patientenfragebogen IRES-3.<\/p>\n<p>1. Die Vergleiche von Arzt- und Patientenurteilen zeigten, dass die affektive Qualit\u00e4t der Kontakte (Empathie und Koh\u00e4renz) von beiden Seiten gleicherma\u00dfen positiv bewertet wurde. Dagegen wurde das instrumentelle \u00e4rztliche Verhalten (Information, Strukturierung, Verst\u00e4rkung) von den Patienten weniger positiv bewertet als von den \u00c4rzten selbst. 2. Patienten, die das Gespr\u00e4ch mit dem Arzt bei Aufnahme positiver bewerteten, zeigten st\u00e4rkere Behandlungseffekte im Hinblick auf Schmerz, Angst und Depression 6 Monate nach Entlassung als die Patienten, die die Aufnahmegespr\u00e4che weniger positiv bewerteten. Au\u00dferdem reduzierten sich die Krankheitstage nach Rehabilitation in der Gruppe der Positivbewerter signifikant um 43% im Vergleich zu nur 4,7% in der Gruppe der Patienten, die die Gespr\u00e4che mit dem Arzt weniger positiv bewerteten. 3. Die durch die Patienten beurteilte Kontaktqualit\u00e4t bei Aufnahme korrelierte schwach, aber positiv mit einer Reihe von patientenseitigen Merkmalen wie dem Wissen \u00fcber die Erkrankung, der wahrgenommenen Symptomkontrolle, der Selbstwirksamkeit hinsichtlich der Umsetzung von Ma\u00dfnahmen sowie mit positiven Erfahrungen mit \u00c4rzten am Heimatort. Eine Regressionsanalyse konnte zeigen, dass die Interaktionsqualit\u00e4t als Pr\u00e4diktor der Reduktion der Schmerzen zu t2 eingeschlossen wurde, w\u00e4hrend die patientenseitigen Variablen ausgeschlossen wurden, ein Hinweis darauf, dass diese allein nicht ausreichen, um das Behandlungsergebnis vorherzusagen, sondern dass die Interaktion zwischen Arzt und Patient und deren Qualit\u00e4t einen eigenst\u00e4ndigen Beitrag zu diesem Behandlungsergebnis leistet.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie legen eine positive Beziehung zwischen der Interaktionsqualit\u00e4t, wie sie mithilfe des P.A.INT-Fragebogens zur Patienten-Arzt-Interaktion gemessen wurde, und langfristigen Behandlungsergebnissen nahe. Vergleiche zwischen Patient- und Arzturteilen zeigten, dass \u00c4rzte erfolgreich darin sind, die Beziehung auf der affektiven Ebene zu gestalten, aber weniger erfolgreich darin, Patienten effektiv zu informieren und zu ermutigen. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer guten Interaktion zwischen Arzt und Patient f\u00fcr den Erfolg der Rehabilitation. Diese scheint unabh\u00e4ngig von patientenseitigen Kompetenzen zu positiven Behandlungsergebnissen beizutragen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.thieme-connect.de\/DOI\/DOI?10.1055\/s-0030-1263119\">Thieme eJournals &#8211; Abstract<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S. Dibbelt, M. Schaidhammer, C. Fleischer, B. Greitemann Gibt es einen Zusammenhang zwischen wahrgenommener Interaktionsqualit\u00e4t und langfristigen Behandlungsergebnissen? 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