Klassifikationssysteme wie die International Classification of Diseases (ICD) der World Health Organisation (WHO) bzw. das Diagnostic and Statistical Manual (DSM) der American Psychiatric Association (APA) unterliegen einem stetigen Wandel. Früher wurden ca. alle 10 Jahre Veränderungen in Form von Neuauflagen vorgenommen. Seit der Publikation der ICD-10 im Jahr 1992 und des DSM-IV im Jahre 1993 sind glücklicherweise zwischenzeitlich fast 20 Jahre vergangen, sodass im Hinblick auf die anstehenden Revisionen (DSM-5 und ICD-11) einige Überlegungen sinnvoll erscheinen bezüglich der Aufnahme neuer Störungskategorien.
Verfolgt man speziell die Entwicklung des DSM, so zeigt sich seit der 1. Auflage im Jahre 1952 bis heute fast eine Vervierfachung der diagnostischen Kategorien. Inwieweit diese Entwicklung gerechtfertigt ist, ist zumindest fraglich. Bedenkt man die vielfältigen Forschungsaktivitäten der vergangenen Jahrzehnte, so ist die Bereitschaft neue Kategorien aufzunehmen relativ groß. Besonders deutlich ist die Erweiterung diagnostischer Einheiten bei der Einführung des DSM-III zu erkennen. Speziell 1980 wurde eine Reihe von diagnostischen Kategorien neu eingeführt wie die PTBS, die generalisierte Angststörung (GAS), die soziale Phobie oder auch die Panikstörung, die heute als Prototypen von Angsterkrankungen anzusehen sind. Sie wurden damals erstmals operationalisiert und initiierten eine Vielzahl von Forschungsaktivitäten. Aber auch die Herausgabe der ICD-10 war mit einer Reihe diagnostischer Neuerungen verbunden, z. B. die Einführung der Kategorie Demenz bei HIV-Erkrankungen (F02.04) oder rezidivierender kurzer depressiver Störungen (F38.10). Beide basierten auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
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