Depression: Psychodynamische Therapie so wirksam wie KVT?

Fazit

In einem begleitenden Kommentar schreibt der renommierte Depressionsforscher Michael Thase von der University of Pennsylvania, dass die psychodynamische Therapie der KVT nicht unterlegen sei. Eine genaue Lektüre der Studienergebnisse lässt diesen Schluss nicht vollständig zu. Vielmehr zeigt die Studie, dass es geringe, statistisch nicht signifikante Unterschiede in den Remissionsraten gibt. Diese sind jedoch zu groß, um die Nichtunterlegenheit der psychodynamischen Therapie statistisch signifikant zu zeigen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass selbst bei kompetenter Behandlung nur etwa ein Viertel aller depressiven Patienten nach einer Kurzzeittherapie remittiert. Die meisten Patienten brauchen also länger, um von der Behandlung zu profitieren. Dies zeigt insbesondere die Remissionsrate von immerhin einem Drittel nach einem Jahr in der KVT-behandelten Gruppe.

Quelle: Thieme E-Journals – PSYCH up2date / Abstract

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Depression: Psychodynamische Therapie so wirksam wie KVT?

Komorbidität

Fazit für die Praxis

Komorbidität ist ein wichtiges diagnostisches Prinzip mit verschiedenen Implikationen:

  • klinisch-therapeutische Implikationen: Der Verlauf und die Therapieresponse eines Patienten mit mehr als einer Störung können sich von denen eines Patienten mit nur einer Diagnose unterscheiden. Patienten mit mehr als einer Diagnose sind i. d. R. die schwerer kranken Patienten und bedürfen u. U. einer speziellen Behandlung.
  • wissenschaftliche Implikationen: Das gemeinsame Auftreten von Störungen kann Hinweise auf eine eventuelle gemeinsame Ätiologie geben. Es ergeben sich zudem zuverlässigere Prävalenzschätzungen, da durch den Verzicht auf Hierarchien mehr Störungen zugelassen werden.

Quelle: Thieme E-Journals – PSYCH up2date / Abstract

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Komorbidität

Die richtigen Worte finden: Das ärztliche Aufklärungsgespräch

Die kommunikative Begegnung zwischen Arzt und Patient im Rahmen eines Aufklärungsgespräches stellt ein komplexes Geschehen dar. Eine rein kognitiv orientierte Aufklärung erscheint unzureichend; das Ansprechen der affektiven Dimension verbessert dagegen die Krankheitsverarbeitung. Von besonderer Bedeutung ist dabei die haltgebende Arzt-Patient-Beziehung. Der Arzt muss aber in gleicher Weise lernen, mit seinen eigenen Emotionen in einer für ihn guten Weise umzugehen.

Quelle: Thieme E-Journals – Deutsche Zeitschrift für Onkologie / Abstract

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Die richtigen Worte finden: Das ärztliche Aufklärungsgespräch

Wenn Tumorpatienten über „Andere Methoden“ chatten

Hintergrund
Der Krebskompass ist das größte unabhängige Forum für Patienten in Deutschland. Eine Analyse der Chats zum Themengebiet komplementäre und alternative Onkologie zeigt, dass in den letzten 10 Jahren die Themen sehr stark variieren.
Material und Methoden
Mit Stichtag 30.03.2011 wurden die Seiten des Krebskompass, die unter dem Stichwort „Andere Therapien“ kategorisiert sind, zu jedem einzelnen Chat seit Beginn des Krebskompass systematisch in einer Tabelle erfasst und analysiert.
Ergebnisse
Wichtige Themen sind Phytotherapie, Misteltherapie und holistische Ansätze. Die meisten Threads werden jedoch zu Themen der alternativen Medizin eröffnet. Zu den umfassend diskutierten Themen der alternativen Medizin gehören Vitamin B, Energieheilung und Germanische Neue Medizin®. Das Spektrum an Einzelthemen weist auf die Breite des Beratungsbedarfs hin. Für spezialisierte Beratungsstellen ist deshalb ein hoher Kenntnisstand erforderlich. Für die einfache Beratung reichen dagegen Basiskenntnisse über die seit Jahren relevanten Themen aus.
Schlussfolgerung
Die hohe Zahl der Diskussionsbeiträge zu alternativen und esoterischen Heilverfahren und die hohe Rate an Empfehlungen zu nichtwissenschaftlichen Beratungsstellen, Büchern und Kliniken sollte zu verstärkten Anstrengungen, gute Informationen niederschwellig zur Verfügung zu stellen, führen.

Quelle: Wenn Tumorpatienten über „Andere Methoden“ chatten – Online First – Springer

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Wenn Tumorpatienten über „Andere Methoden“ chatten

Einschränkungen in der Erkennung von Basisemotionen bei Patienten mit chronischem Kreuzschmerz

Hintergrund
Persistierende chronische Schmerzen führen zu kortikalen Veränderungen in Arealen, die an der Emotionserkennung beteiligt sind. Wand et al. belegen einen engen Zusammenhang zwischen der affektiven Schmerzkomponente und dem Ausmaß dieser Veränderungen. In der Folge kann sich das Emotionsprofil verändern und es können Schwierigkeiten in der emotionalen Kommunikation auftreten.
Material und Methoden
49 Patienten mit „chronic low back pain“ (CLBP) wurden mithilfe der Graded Chronic Pain Scale (GCPS) nach GCPS-Grad 1 + 2 und GCPS-Grad 3 + 4 unterteilt. Bei allen Patienten wurde die Fähigkeit zur Erkennung mimisch codierter Basisemotionen mit dem Facially-Expressed-Emotion-Labeling-Test (FEEL) untersucht. Zudem wurde mit der Toronto-Alexithymie-Skala-26 (TAS-26) überprüft, ob die Patienten alexithyme Merkmale zeigten. Eine differenzierte Auswertung fand für die Gruppe mit GCPS-Grad 3 + 4 (n = 35) statt.
Ergebnisse
Der FEEL-Test verdeutlichte, dass die Gruppe mit GCPS-Grad 3 + 4 die Basisemotion Überraschung signifikant häufiger (p = 0,001) als Gesunde (Vergleich mit Normwerten) erkannte und ein gesteigertes Niveau an momentan erlebtem Ärger zeigte. Nach der TAS-26 zeigten 28,5 % der CLBP-Patienten alexithyme Merkmale.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse offenbaren, dass Patienten mit chronifizierten lumbalen Rückenschmerzen Veränderungen in der Emotionserkennung sowie alexithyme Merkmale zeigen. Zur Bestätigung dieser Ergebnisse sowie zur Absicherung der erkannten Tendenzen sind weitere Studien mit einer größeren Stichprobe nötig.

Quelle: Einschränkungen in der Erkennung von Basisemotionen bei Patienten mit chronischem Kreuzschmerz – Online First – Springer

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Einschränkungen in der Erkennung von Basisemotionen bei Patienten mit chronischem Kreuzschmerz

Evaluation der Neuen Rückenschule

Hintergrund
Die beiden Kernziele der Neuen Rückenschule (Neue RS) mit ihrem biopsychosozialen Ansatz sind die nachhaltige Stärkung der physischen und psychosozialen Gesundheitsressourcen. Anhand der Untersuchung von Probanden mit nichtspezifischen Rückenschmerzen erfolgte eine Evaluierung der physischen Effekte der Neuen RS.
Ergebnisse
Direkt nach Abschluss der RS ergaben die Berechnungen zu den Gruppenunterschieden keine relevanten Veränderungen in der Anzahl signifikanter Ergebnisse. Jedoch konnte zum 1-jährigen Katamnesezeitpunkt eine Reduktion in der Häufigkeit der nachweisbaren Unterschiede zur KG um ein Drittel auf nur noch 12 % aller Berechnungen mit statischen Belastungen nachgewiesen werden.
Schlussfolgerung
Die Anpassungseffekte zum 1-jährigen Katamnesezeitpunkt deuten auf eine verzögert eintretende positive Einflussnahme der Neuen RS auf muskulär-physiologische Parameter hin. Personen mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen profitieren langfristig von der Teilnahme an der Neuen RS durch die dadurch initiierte Hinwendung zu einem aktiveren Lebensstil.

Quelle: Evaluation der Neuen Rückenschule – Online First – Springer

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Evaluation der Neuen Rückenschule

Schlafentzug und Schmerz

Zusammenfassung
Es ist mittlerweile unstrittig, dass Schlafentzug bzw. -fragmentierung zu Hyperalgesien führt, die sich nicht als allgemeine Veränderung der Somatosensorik erklären lassen. Welche Schlafphasen für die Deprivationswirkung am relevantesten sind, ist nicht ausreichend geklärt. …
Da die Wirkungen auf Affekt und Schmerz dissoziieren können, ist ein gemeinsamer Wirkungsmechanismus unwahrscheinlich. Daten aus Tierstudien lassen vermuten, dass schlafentzugsbedingte Hyperalgesien bei bestehenden Neuropathien besonders ausgeprägt sind. … Klinisch gilt es zu klären, warum bei bestimmten Personen schlafentzugsbedingte Hyperalgesien besonders leicht auftreten und länger persistieren.

Quelle: Schlafentzug und Schmerz – Online First – Springer

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Schlafentzug und Schmerz

Patientenbesuche im Krankenhaus durch Besuchsdienste von Krebs-Selbsthilfegruppen – zur Prozess- und Ergebnisqualität

Ziel der Studie:
In Deutschland haben schon in den 1970er Jahren mehrere Selbsthilfeverbände Krebskranker damit begonnen, Patientenbesuche im Krankenhaus für Krebskranke durchzuführen. Bisher waren die Gespräche zwischen Patienten und Besuchsdienstmitarbeitern noch nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung. Daher wurde eine gemeinsame Studie der Deutschen ILCO, der Frauenselbsthilfe nach Krebs und der Sektion Medizinische Soziologie einer deutschen Universität durchgeführt mit dem Ziel, die Qualität der Besuchergespräche bei Pa­tienten/innen mit Darmkrebs und bei Brustkrebspatientinnen einzuschätzen.

Schlussfolgerung:
Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die Möglichkeit zu einem Gespräch mit einem Besuchsdienst einer Selbsthilfegruppe von den meisten Patienten als hilfreich erachtet wird und weiter angeboten werden sollte. Ein mittelfristiger Effekt konnte in der Studie nicht gezeigt werden. Weitere Forschungen zur Bedeutung der Selbsthilfe in der Versorgung sind notwendig.

Quelle: Thieme E-Journals – Das Gesundheitswesen / Abstract

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Patientenbesuche im Krankenhaus durch Besuchsdienste von Krebs-Selbsthilfegruppen – zur Prozess- und Ergebnisqualität

Psychotherapie und Medikamente verlängern Abstinenz

Alcoholism Clin Exp Res 2013; DOI: 10.1111/acer.12317

Gezielte Medikation und individuelle Psychotherapie kommen bisher in der Behandlung von Alkoholabhängigen nur selten zum Einsatz. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass sich beide in gestuften Behandlungsprogrammen bewähren: Erhalten Patienten zunächst Medikamente und anschließend zusätzlich psychotherapeutische Betreuung, lassen sich schwere Rückfälle reduzieren oder hinauszögern.

Quelle: Thieme E-Journals – Das Gesundheitswesen / Abstract

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Psychotherapie und Medikamente verlängern Abstinenz

Aus-, Fort- und Weiterbildung „Psychologie in der Rehabilitation“

Die Kommission für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Rehabilita­tionswissenschaften (DGRW) hat zum Ziel, Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung verschiedener in der Rehabilitation tätiger Berufsgruppen zu diskutieren und Empfehlungen vorzulegen. Die Arbeitsgruppe unter Leitung und Moderation von J. Bengel/Freiburg und M. Morfeld/Magdeburg-Stendal erstellte eine Bestandsaufnahme für die Psychologie in der Rehabilitation. Basierend auf einem Tätigkeitsprofil der Psychologen in der medizinischen und beruflichen Rehabilitation werden die rehabilitationspsychologischen Ausbildungsangebote an Universitäten und Hochschulen in Deutschland beschrieben. Diese setzen unterschiedlich starke Schwerpunkte auf die Rehabilitationspsychologie. Das Angebot ist aufgrund der ständigen Anpassung an Bedarfe und der Umsetzung der Bologna-Reform im Fluss. Die Angebote zur Fort- und Weiterbildung sind spezifisch und für große Indikationsbereiche verfügbar. Abschließend werden offene Fragen und Problembereiche benannt.

Quelle: Thieme E-Journals – Die Rehabilitation / Abstract

Veröffentlicht unter Abstracts aus Zeitschriftenartikeln | Kommentare deaktiviert für Aus-, Fort- und Weiterbildung „Psychologie in der Rehabilitation“