Warum sind Suizide stationärer Patienten so belastend?

Suizide haben verheerende Folgen für die betroffenen Familien, Freunde und die Gesellschaft. Sie belasten auch Therapeuten stark [9]. Manche weigern sich daher, suizidalen Patienten eine Behandlung anzubieten, oder beenden die Behandlung, wenn die Patienten Suizidalität äußern [3]. Was sind die Gründe für die hohe Belastung durch Suizide? Suizidopfer sind meist körperlich gesund. In vielen Fachgebieten außerhalb der Psychiatrie sterben mehr Patienten. Dort geht dem Tod jedoch oft ein bekannter und sichtbarer natürlicher Krankheitsprozess voraus. Der Tod nach Schlaganfall oder Leberzirrhose beispielsweise ist dadurch leichter hinnehmbar. Suizide dagegen sind selbst initiiert und werden demzufolge prinzipiell als vermeidbar angesehen. Vergleichbares wird bei posttraumatischen Belastungsstörungen beobachtet: Von Menschen initiierte Handlungen wirken stärker traumatisierend auf die Opfer als die Auswirkungen von Naturkatastrophen. Der Therapeut kennt persönliche Details und Probleme des Patienten und ist damit typischerweise sehr viel näher an der Person als Therapeuten in anderen Fachgebieten. Dementsprechend wirkt hier der Tod belastender. Der Therapeut fühlt sich oftmals verletzt und ist enttäuscht, dass der Patient sich ihm trotz aller Bemühungen nicht anvertraut hat. Da die Möglichkeit der Prädiktion eines Suizids oft überschätzt wird [5], können nach einem Suizid Zweifel an der eigenen klinischen Kompetenz aufkommen. Sorgen um juristische Konsequenzen nach einem Suizid können belasten. Und schließlich belasten Kognitionen wie „Was hätte ich anders machen müssen?“. Weitere Gründe ließen sich sicherlich finden. Bei der Bewältigung eines Suizids hilft es, sich die hier genannten Gründe zu vergegenwärtigen. Manche beruhen jedoch auf falschen Annahmen und kognitiven Verzerrungen. …

Thieme E-Journals – Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie / Abstract

Psychoedukationsmodul Rückkehr an den Arbeitsplatz – Eine Interventionsstudie

Ziel der Studie Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie stand die Frage, inwieweit Patienten von einem Psychoedukationsmodul zum Thema Rückkehr an den Arbeitsplatz profitieren können.

Methoden Durch eine randomisiert-kontrollierte Studie (n = 82) wurden die Effekte auf die Einstellungen zum Arbeitsplatz, Wissen zu rechtlichen Aspekten bei der Rückkehr und Dauer bis zur Rückkehr evaluiert.

Ergebnisse Die Psychoedukationsgruppe erhöhte die Sicherheit bei der Rückkehr, allerdings nicht die Dauer bis zum Wiedereinstieg.

Schlussfolgerung Das Psychoedukationsmodul wurde sehr gut angenommen und stellt offenbar eine gute Ergänzung zur sozialpädagogischen Einzelberatung dar.

Thieme E-Journals – Psychiatrische Praxis / Abstract

Der G-Score – ein Screeninginstrument zur Erfassung der subjektiven körperlichen Gesundheit

Einleitung Die Erfassung der subjektiv eingeschätzten körperlichen Gesundheit ist wichtig im Kontext vieler klinischer und Forschungsfragestellungen. In der vorliegenden Arbeit wird eine Untersuchung der psychometrischen Kriterien des G-Scores, einem 4 Items umfassenden Screeninginstrument zur Selbstbeurteilung der körperlichen Gesundheit, vorgenommen.
Material und Methoden Es erfolgten Einschätzungen der Objektivität, der Validität und der Reliabilität, eine Itemanalyse und die Bestimmung eines geeigneten Cut-Off-Wertes zur Unterscheidung gesunder von körperlich auffälligen Personen anhand von Daten der Sächsischen Längsschnittstudie 1998–2013 (N=324–417 Personen der Normalbevölkerung).

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Zunahme der Selbstpflege statt der Widerstandsbereitschaft bei Belastungen: Haupt- oder Nebenwirkung in der medizinisch–beruflich orientierten psychosomatischen Rehabilitation?

In der beruflich orientierten psychosomatischen Rehabilitation sollen Patienten u. a. lernen, ihre Widerstands- und Durchhaltefähigkeit, d. h. Resistenz gegenüber beruflichen Stressoren zu erhöhen, als eine Voraussetzung für eine verbesserte berufliche Leistungsfähigkeit. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, wie sich die Resistenzorientierung im Verlauf einer stationären Rehabilitationsmaßnahme verändert und wie dies mit der Arbeitsfähigkeit bei Entlassung korreliert. Zugleich wurde auch erfasst, wie sich die Tendenz verändert, bei Belastung zunächst an Selbstpflege und Stressvermeidung, d. h. Regeneration zu denken. Es wurden 121 unausgewählte Patienten einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik mit der ReRe-Skala (Resistenz-Regenerations-Skala) zu Beginn und Ende des Aufenthalts untersucht, einschließlich der Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit bei Entlassung. Im Prä-Post-Vergleich fand sich eine Abnahme der Resistenzorientierung und Zunahme der Regenerationsorientierung. Eine höhere Regenerationsorientierung war im Gegensatz zur Resistenzorientierung bei Entlassung mit einer höheren Bereitschaft zur Wiederaufnahme der Arbeit assoziiert. Die Abnahme der Resistenz- und deutliche Zunahme der Regenerationsorientierung im Verlauf einer medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation widerspricht auf den ersten Blick den Erwartungen und könnte sogar als Nebenwirkung eines Reha-Aufenthaltes verstanden werden. Bei Berücksichtigung des Endparameters Arbeitsfähigkeit scheint die Förderung von Selbstpflege und Regenerationsorientierung jedoch keine Nebenwirkung, sondern eine zielführende therapeutische Entwicklung zu sein. Die Ergebnisse werfen Fragen auf bzgl. der Therapiestrategien in der Behandlung von Stress im Allgemeinen, wie auch der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) im Speziellen. Des Weiteren illustriert es die Problematik, was die Kriterien von Haupt- und Nebenwirkungen in der Psychotherapie sind.

Thieme E-Journals – PPmP – Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie / Abstract

Gesünder nach der Psychotherapie? Sekundärdatenanalyse der Arbeitsunfähigkeitszeiten vor und nach ambulanter Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie

Einleitung Arbeitsunfähigkeitszeiten gelten als guter Indikator für den Krankenstand der berufstätigen Bevölkerung. In dieser Studie wurde untersucht, wie sich die Arbeitsunfähigkeitszeiten (AU) im Jahr nach dem Ende der Psychotherapie im Vergleich zum Einjahreszeitraum vor Beginn der Therapie verändern. Dabei wurden 3 sozialrechtlich anerkannte Therapieverfahren (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie) miteinander verglichen.
Material und Methoden Die Untersuchung wurde mit pseudonymisierten Daten der AOK Niedersachsen (N=2 900 065 Versicherte) durchgeführt. Ärztlich attestierte AU-Zeiten vor und nach der Psychotherapie wurden für Patientinnen und Patienten (N=9 916) verglichen, die eine der 3 sozialrechtlich anerkannten Therapieverfahren durchliefen. Außerdem wurde eine parallelisierte Kontrollgruppe (KG) gebildet, um Vergleiche mit Personen ohne Psychotherapie zu ermöglichen. Die Untersuchungen wurden nach Geschlecht stratifiziert.

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Die Erfassung der Paarkommunikation bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung: Validierung einer deutschen Version der Couple Communication Scale (CCS)

Hintergrund Bisher liegen nur wenig valide Messinstrumente zur Erhebung der Paarkommunikation bei Krebspatienten für den deutschen Sprachraum vor. Die Couple Communication Scale (CCS) stellt ein etabliertes Instrument zur Erfassung der Paarkommunikation dar. Es liegen jedoch noch keine Untersuchungen zu den psychometrischen Eigenschaften der deutschen CCS-Version vor und die bislang angenommene 1-Faktorenlösung wurde bisher nicht an einer Stichprobe von Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung überprüft.
Methode Die CCS wurde im Rahmen der Studie „Managing Cancer and Living Meaningfully“ (CALM) an N=136 Tumorpatienten (≥18 Jahre, UICC-Stadium III/ IV) validiert. Es wurden die psychometrischen Kennwerte der Skala berechnet (Faktorreliabilität, Itemreliabilitäten, durchschnittlich extrahierte Varianz [DEV]) sowie eine konfirmatorische Faktorenanalyse (Maximum-Likelihood-Schätzung) durchgeführt. Die Analyse der Kriteriumsvalidität erfolgte mittels valider Messinstrumente bezüglich Angst (GAD-7), Depressivität (BDI-II) und selbstberichteter Bindungsunsicherheit (ECR-M16).

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Internetabhängigkeit, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten – Ein systematisches Review

Hintergrund Internetabhängigkeit (IA) geht mit einem hohen Maß an komorbiden psychischen Störungen, insbesondere Depressionen, Angststörungen, ADHS und Persönlichkeitsstörungen und einem erheblichen Leidensdruck einher. Im Hinblick auf das hieraus resultierende Gefahrenpotenzial untersucht die vorliegende Arbeit die aktuelle Forschungsliteratur bezüglich Suizidalität und nicht suizidalem selbstverletzendem Verhalten (NSSV) bei IA.
Methoden In einer systematischen Literaturrecherche wurden klinische und nicht-klinische Studien in 14 Datenbanken auf der Titel- Abstract-Ebene nach den häufigsten Schlagworten für IA, NSSV und Suizidalität durchsucht. Die nach Abzug der mehrfach vorhandenen Publikationen verbliebenen 2334 Artikel wurden nach definierten Ein- und Ausschlusskriterien gefiltert. Insgesamt konnten 15 Studien, die IA, NSSV und Suizidalität mittels validierter psychometrischer Instrumente erheben, in das Review eingeschlossen werden.

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Teilnahme erwünscht – Studie DIA-Reha − Diagnostik-Intervention-Arbeitszufriedenheit im Berufsleben von Rehabilitationspsychologinnen und Rehabilitationspsychologen

Rehabilitationspsychologie ist das, was Du daraus machst?
Oder… Frau Franke will es wissen!
Bitte helfen Sie uns bei unserer Studie DIA-Reha − Diagnostik-Intervention-Arbeitszufriedenheit im Berufsleben von Rehabilitationspsychologinnen und Rehabilitationspsychologen − eine bundesweite empirische Studie unter:

https://www.soscisurvey.de/DIA-Reha/

Ich lehre seit 18 Jahren Rehabilitationspsychologie, vorwiegend die (rehabilitations-)psychologische Diagnostik, aber auch die Intervention und … den ganzen Rest.
In den letzten Semestern wurde mir immer klarer, dass ich die Antworten auf wichtige fachliche Fragen nicht habe…

  • Welche psychologisch-diagnostischen Testverfahren sowie welche Interventionen sind in der Rehabilitationspsychologie besonders wichtig? ⇒ State of the Art der rehabilitationspychologischen Berufspraxis – 2020
  • Welche Bedarfe haben Rehabilitationspsychologinnen und Rehabilitationspsychologen in der Unterstützung von Diagnostik und Intervention, besonders aber von Beratungsprozessen?
  • Was sind die beliebtesten Arbeitsplätze in der Rehabilitationspsychologie (Arbeitszufriedenheit)?

Ableiten möchte ich aus der Analyse der Antworten vor allem:

  • Wie können wir die Hochschul-Lehre im Fach Rehabilitationspsychologie verbessern?
  • Welche Fort- und Weiterbildungsangebote wünschen sich Rehabilitationspsychologinnen und Rehabilitationspsychologen?

Ich bitte Sie daher um Ihre Teilnahme an unserer Studie, wenn Sie lohnabhängig beschäftigt, freiberuflich oder im Rahmen eines Praktikums in der medizinischen, beruflichen oder sozialen Rehabilitation arbeiten oder gearbeitet haben.
Sie sollten mindestens einen Bachelorabschluss in Psychologie, Rehabilitationspsychologie oder anderen psychologischen Studiengängen (z.B. Gesundheitspsychologie) haben, d.h. der erste berufsqualifizierende Abschluss sollte vorliegen.

Bitte beantworten Sie unsere Fragen und nutzen Sie auch gerne die freien Antwortformate, die Studie wurde mit dem Aktenzeichen AZ4973-3 von der Ethik-Kommission des Fachbereichs Angewandte Humanwissenschaften genehmigt.
Ich danke Ihnen schon jetzt ganz herzlich für Ihre Studienteilnahme. Die Ergebnisse werden in wissenschaftlichen Fachpublikationen veröffentlicht, Ihre Gabriele Helga Franke

Rehabilitationspsychologie, Hochschule Magdeburg-Stendal, Standort Stendal, Osterburger Straße 25 in 39576 Stendal
[gabriele.franke(at)hs-magdeburg.de]

Download Infoblatt DIA-Reha (27 Downloads)

Stellenangebot: Psychologen (m/w) in Teilzeit in 59505 Bad Sassendorf (Orthopädie, Unfallchirurgie)

Wir sind eine Orthopädisch-Unfallchirurgische Rehabilitationsklinik mit Spezieller Schmerztherapie, AHB-, ABMR- und BGSW-Klinik mit Sitz in Bad Sassendorf (nahe Dortmund). Unsere medizinische, therapeutische
und pflegerische Kompetenz liegt schwerpunktmäßig bei der erfolgreichen Rehabilitation nach Operationen von Knie- und Hüftgelenken, Wirbelsäuleneingriffen, schweren Unfallverletzungen und Amputationen. Unsere Patienten werden von Rentenversicherern, gesetzlichen Krankenkassen und Berufsgenossenschaften zur Rehabilitation eingewiesen. Im Rahmen des schmerztherapeutischen Schwerpunktes werden chronische Schmerzpatienten nach multimodalem Ansatz behandelt.

Zur Unterstützung unseres Psychologischen Dienstes suchen wir ab sofort einen

Psychologen (m/w)
– in Teilzeit (Ø 23 Std./Woche) –

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Dieser Artikel ist sichtbar bis: 30.08.2018

Leben mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom – Entscheidungsfindung und Krankheitsverarbeitung

Einleitung Männer, die die Diagnose „lokal begrenztes Prostatakarzinom“ erhalten, müssen eine Entscheidung zwischen Behandlungsstrategien treffen, die sich in ihren Nebenwirkungen erheblich unterscheiden und langfristig sehr unterschiedliche Anforderungen an die Krankheitsbewältigung stellen. Ziel dieser Studie war zu beschreiben, wie Männer ihre Therapieentscheidung im Nachhinein wahrnehmen und welche Bewältigungsstrategien sie einsetzen.

Material & Methoden Fünfzehn Männer (Alter M=67,13±9,38 Jahre) mit der Diagnose lokal begrenztes Prostatakarzinom nahmen an drei Fokusgruppen teil, die nach Behandlungsstrategie (radikale Prostatektomie, Radiotherapie, aktive Überwachung) zusammengestellt wurden. Ein Interviewleitfaden strukturierte die Fokusgruppendiskussionen. In Analogie zu dem Leitfaden wurde das Material in einem ersten Schritt deduktiv sortiert; in einem zweiten Schritt wurden Unterkategorien induktiv aus dem Material heraus entwickelt.

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