Übertragung und Gegenübertragung in Verhaltenstherapie und Psychoanalyse

Die therapeutische Beziehung wird von Psychotherapieforschern unterschiedlicher Ausrichtung als grundlegender und übergeordneter Wirkfaktor anerkannt. Die psychoanalytischen Konzepte „Übertragung“ und „Gegenübertragung“, die wesentliche Aspekte der therapeutischen Beziehung fassbar machen, haben mittlerweile auch Eingang in die Verhaltenstherapie gefunden. Da diese Konzepte aber sowohl in der Psychoanalyse als auch in der Verhaltenstherapie unterschiedlich verwendet werden und sich auf unterschiedliche Phänomene beziehen, ist die Verständigung zwischen Psychotherapeuten verschiedener therapeutischer Ausrichtungen erschwert. Es wird deshalb postuliert, die verbalen und nonverbalen Prozesse der Beziehungsregulierung, die für die Gestaltung einer hilfreichen psychotherapeutischen Interaktion bedeutsam sind, schulenunabhängig zu erforschen und deren Wirksamkeit zu bewerten. Damit könnte die Integrationskultur in der Psychotherapie gestärkt werden.

Übertragung und Gegenübertragung in Verhaltenstherapie und Psychoanalyse – Springer

Vorzeitige Beendigung der Therapie in der stationären psychosomatischen Krankenhausbehandlung und Rehabilitation

In der folgenden Übersicht werden Häufigkeit und Ursachen von vorzeitigen Behandlungsbeendigungen in der stationären psychosomatischen Krankenhausbehandlung und Rehabilitation von erwachsenen Patienten in Deutschland untersucht. Der an den Stichproben der 15 einbezogenen Arbeiten gewichtete Anteil vorzeitiger Behandlungsbeendigungen beträgt 12,5%. (Junges) Alter, Erwerbslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit, die Diagnose einer Essstörung, einer somatoformen Störung oder einer Persönlichkeitsstörung sowie eine geringe Symptombelastung zu Therapiebeginn erhöhen das Risiko einer frühzeitigen Beendigung der Therapie. Neben diesen soziodemografischen und klinischen Variablen spielen auch die Therapiemotivation sowie die patientenseitigen Behandlungserwartungen eine Rolle in der Vorhersage von vorzeitigen Behandlungsbeendigungen.

Thieme E-Journals – PPmP – Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie / Abstract

Digitale Demenz? Mythen und wissenschaftliche Befundlage zur Auswirkung von Internetnutzung

Digitale Medien sind, so selbstverständlich wie nie zuvor, Teil unseres Alltags. Damit verbunden sind Befürchtungen, dass vor allem die intensive Computer- und Internetnutzung negative Konsequenzen aufweist. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick zum Forschungsstand über die Auswirkungen der Nutzung von Computer und Internet. Neun populäre Mythen werden identifiziert und mit Hilfe einer Zusammenschau von meta-analytischen Befunden auf deren wissenschaftlichen Gehalt überprüft. Im Mittel der aggregierten Ergebnisse finden sich keine Belege dafür, dass die Nutzung
digitaler Medien zu sozialem Rückzug führt, gesellschaftlich-politisches Engagement verhindert oder die selbstberichtete Einsamkeit erhöht. Die Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und Wohlbefinden bzw. Depressivität sind sehr klein, aber signifikant, wie auch die Zusammenhänge zwischen der Nutzung von Bildschirmmedien und
Übergewicht. Im Mittel zeigt sich ferner, dass das Lernen mit Computer und Internet, inklusive Lernspiele, positive Konsequenzen haben kann. Allerdings sind die negativen Auswirkungen von gewalthaltigen Videospielen auf aggressives Verhalten und Erleben ebenfalls gut belegt. Die Befunde werden mit Blick auf populärwissenschaftliche Publikationen sowie die Rolle der Psychologie diskutiert.

Digitale Demenz? Mythen und wissenschaftliche Befundlage zur Auswirkung von Internetnutzung – Psychologische Rundschau – Volume 65, Number 1 / 2014 – Hogrefe Verlag

Folien der Vorträge der Jahrestagung 2014 sind online

Tagungsteilnehmer und Mitglieder des AK Klinische Psychologie in der Rehabilitation können die Folien der Vorträge der Jahrestagung 2014 ab sofort herunterladen. Bitte melden Sie sich vorher als Mitglied an (Benutzername und Passwort sind in den Tagungsunterlagen enthalten). Die Folien sind nur nach Anmeldung zugänglich.

Exposition und Psychoedukation in der psychodynamischen Therapie

Psychotherapie ist ein komplexer Verstehens- und Handlungsprozess. Um ihn adäquat zu erfassen, wäre der Bezug auf nur eine einzelne Therapieschule oder nur einen monotheoretischen Bezugsrahmen vermessen, andererseits kann auf eine angemessene Komplexitätsreduktion nicht verzichtet werden. Ein Psychotherapieprozess setzt sich aus einer großen Zahl vielfältiger Elemente zusammen: Menschenbild und Wertorientierungen, Persönlichkeitsvariablen des Patienten und des Therapeuten, Beziehungsparameter, diagnostische Kategorien mit einem Spektrum von Störungen und Störungsbildern, Indikationsstellungen, ansatz- oder störungsspezifische Techniken und therapeutische Kompetenzen sowie Lebenskontext, Zeitrahmen und Frequenz determinieren die jeweilige Handlung. Eine möglichst verfahrens- und patientenbezogene und/oder störungsspezifische Theorie soll die Logik des therapeutischen Verstehens und Handelns begründen sowie beides sinnvoll und schlüssig miteinander verbinden.

Exposition und Psychoedukation in der psychodynamischen Therapie – Springer

Gefühle im Griff – Emotionen intelligent regulieren

Emotionsregulationsprozesse sind von zentraler Bedeutung für psychische und körperliche Gesundheit. Das von uns entwickelte Interventionsprogramm „Gefühle im Griff“ greift diesen Zusammenhang auf und vermittelt Teilnehmern der Gruppenintervention systematisch spezifische Emotionsregulationsstrategien. Vorgestellt werden Konzept und Inhalte des 9-Wochen-Programms sowie erste Wirksamkeitsbelege an einer Stichprobe von n=18 Teilnehmern. Es zeigten sich mittels Heidelberger Fragebogen zur Erfassung von Emotionsregulationsstrategien (H-FERST) große Effekte bei der Zunahme von Neubewertung und Akzeptanz sowie bei der Reduktion von Grübeln, ein mittlerer Effekt bei der Reduk­tion von Vermeidung und ein kleiner Effekt bei der Zunahme von Aktivität und sozialer Unterstützung. Die allgemeine Psychopathologie (mittels BSI) nahm bei den stärker belasteten Teilnehmern (GSI≥0,6) mit einer Effektstärke von d=0,63 ab.

Thieme E-Journals – PPmP – Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie / Abstract

Depressiver zeigt seine traurige Welt in Bildern

Wie drückt man eine Krankheit auf Fotos aus? Der an einer Depression erkrankte Fotograf Felix Nussbaumer und seine Frau, die ebenfalls Fotografin ist, haben es mithilfe einer theaterhaft inszenierten Bilderserie versucht. Sehen Sie hier die beeindruckenden Fotografien.

Einsamkeit, Identitätsverlust, Trauer: Depressiver zeigt seine traurige Welt in Bildern – So sieht eine Depression in Bildern aus – FOCUS Online – Nachrichten

Die Metakognitive Therapie in der Behandlung der unipolaren Depression

Zu den neueren Entwicklungen der Verhaltenstherapie zählt die Metakognitive Therapie (MCT), die von A. Wells entwickelt wurde. Sie geht davon aus, dass für die Behandlung von psychischen Störungen die Inhalte von Kognitionen nicht von Bedeutung sind. Stattdessen spielen aus einer metakognitiven Perspektive für ihre Entstehung und Aufrechterhaltung perseverierende und unflexible Muster des Denkens und der Aufmerksamkeitslenkung und damit assoziierte dysfunktionale Bewältigungsstrategien eine bedeutende Rolle. Diese charakteristischen Muster werden auch als kognitives Aufmerksamkeitssyndrom (CAS) bezeichnet. Bei der unipolaren Depression besteht das CAS aus einem exzessiven Grübeln und sich Sorgen machen, einer ausgeprägten Lenkung der Aufmerksamkeit auf potentielle Gefahren (Bedrohungsmonitoring) sowie maladaptiven Verhaltensstrategien wie z. B. sozialer Rückzug oder Substanzmissbrauch. Den Hintergrund für den Einsatz dieser Strategien stellen positive metakognitive Überzeugungen dar, die ihren Nutzen für den Patienten betonen (z. B.: „Grübeln hilft mir, eine Lösung für meine Probleme zu finden.“). Über die Zeit bilden sich jedoch auch negative metakognitive Überzeugungen hinsichtlich der Unkontrollierbarkeit dieser Prozesse und ihrer Gefährlichkeit (z. B.: „Ich kann Grübeln nicht kontrollieren!“). Sie tragen zu einer Aufrechterhaltung der obigen Strategien und dem Einsatz weiterer dysfunk­tionaler Bewältigungsstrategien bei. Die metakognitive Therapie zielt auf eine Steigerung des metakognitiven Bewusstseins des Patienten und die Wiedererlangung der flexiblen Kontrolle über kognitive Prozesse und Prozesse der Aufmerksamkeitslenkung. Das CAS und dysfunk­tionale Bewältigungsstrategien werden abgebaut, die ihnen zugrunde liegenden metakognitiven Überzeugungen verändert und alternative Pläne der kognitiven Verarbeitung generiert. Die vorhandenen Studiendaten deuten darauf hin, dass die MCT hinsichtlich ihres Therapieerfolges in der Behandlung der unipolaren Depression der Kognitiven Verhaltenstherapie überlegen sein könnte.

Thieme E-Journals – PPmP – Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie / Abstract

Resilienz und psychische Belastung im Erwachsenenalter: Zum Einfluss von Alter und sozialer Ungleichheit

In einer Querschnittstudie wurde untersucht, ob und in welchem Ausmaß soziale Ungleichheiten die Ausprägung von Resilienz und psychischer Belastung bei Erwachsenen beeinflussen. Bei N=4 142 Erwachsenen erfolgte die Konstruktion eines vertikalen Schichtindex (Einteilung: Schulabschluss, Berufsstatus, Haushaltseinkommen) und eine Altersgruppeneinteilung (≥ 25 Jahre). Eine multivariate Varianzanalyse (MANOVA) zeigte einen geschlechts-, schicht- und altersspezifischen Einfluss auf die Resilienzausprägung (RS-11) und die psychische Belastung: Depressivität (PHQ-2), Ängstlichkeit (GAD-7), Lebenszufriedenheit (FLZM). Im Gegensatz zum überwiegend kontinuierlichen Einfluss der Schichteinflüsse bei Frauen über alle Altersgruppen hinweg, zeigte sich bei Männern in höheren Altersgruppen (≥ 65 Jahre) kein signifikanter Schichteffekt. Für beide Geschlechter weist die soziale Unterschicht die niedrigste Resilienzausprägung auf. Die Ergebnisse deuten auf die Notwendigkeit eines differenzierten Förderbedarfs auch in Hinblick auf Prävention hin.

Thieme E-Journals – PPmP – Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie / Abstract

Psychoneuroendokrinologie – Stress wirkt sich auf Frauen und Männer unterschiedlich aus

Akuter psychosozialer Stress führt zu verbesserten sozialen Fähigkeiten und erhöhter Empathie bei Frauen, während Männer mit höherer Egozentrizität reagieren. Diese Ergebnisse haben die Forscher um L. Tomova in der Fachzeitschrift Psychoneuroendocrinology online veröffentlicht. Sie untersuchten Männer und Frauen in einem Verhaltensexperiment, in dem eine stark stressende Situation hergestellt wurde. Dass diese tatsächlich zu einer Stressantwort führte, wurde über einen Anstieg der Pulsfrequenz sowie des Stresshormons Cortisol bestätigt.

Thieme E-Journals – PPmP – Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie / Abstract